Der Moment: The Graffiti Artist

Der Moment: The Graffiti Artist

Für unsere Textserie "Der Moment" haben wir Schriftsteller_innen gebeten, über einen berührenden Augenblick ihrer ganz persönlichen queeren Filmgeschichte zu schreiben. Den Auftakt macht der 1965 in Kassel geborene Autor und Regisseur Tim Staffel, der seinen bislang letzten Roman, die schwule Liebesgeschichte "Jesús und Muhammed" (erschienen 2008 im Transit-Verlag), 2012 unter dem Titel "Westerland" selbst verfilmt hat. Sein queerer Filmmoment stammt aus James Boltons Low-Budget-Film "The Graffiti Artist" und führt uns ins Portland des Jahres 2004 – das damals noch das Mekka all jener US-Amerikaner war, die sich nicht anpassen wollten und noch dazu wenig Geld hatten – und zu den beiden jungen Sprayern Nick und Jesse, die Freunde sind und vielleicht auch mehr.
Herzstein

Herzstein

Borgarfjörður eystri ist ein kleines Fischerdörfchen irgendwo in Island. Hier hat Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson sein Langfilmdebüt über zwei Jungs gedreht, die ihr sexuelles Erwachen in unterschiedliche Richtungen führt. Für sein vielschichtiges, in atemberaubenden Landschaftsbildern eingefangenes Porträt einer unbändigen und zugleich schwer verletzlichen Freundschaft wurde Guðmundsson letztes Jahr in Venedig vollkommen zurecht mit dem Queer Lion ausgezeichnet. Jetzt ist der Film auch auf DVD erhältlich.
Deutschland im Herbst

Deutschland im Herbst

Vor genau 40 Jahren, am Morgen des 18. Oktober 1977, fanden die Beamten im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Stuttgart-Stammheim die Leichen der drei inhaftierten Linksterroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Die Suizide der drei Führungsfiguren der Roten Armee Fraktion (RAF) bildeten das Ende eines Herbsts des Schreckens, der mit der Verschleppung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer am 5. September begann und mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch vier palästinensiche Terroristen am 13. Oktober seinen Höhepunkt erreichte. Bereits wenige Wochen nach dem "Deutschen Herbst" vereinten die Spitzen des deutschen Autorenkinos ihre kreativen Kräfte, um in einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion und gegen die eigene radikale Verunsicherung den collagenhaften Episodenfilm "Deutschland im Herbst" zu drehen. Kluge, Schlöndorff, Reitz, Böll und Biermann – alle waren mit dabei. Die provokanteste, weil persönlichste Episode stammt aber von Rainer Werner Fassbinder. Zur längst überfälligen Erstveröffentlichung des Films auf Blu-ray hat sich Fritz Göttler "Deutschland im Herbst" noch einmal angesehen – und vorbei an Fassbinders verzweifelter Ratlosigkeit einen revolutionären Kern entdeckt, der das System ganz gewaltfrei destabilisiert.
Die Farbe des Winters

Die Farbe des Winters

Neu auf DVD: Die 21-jährige Filmstudentin Lucia leidet unter Panikattacken und Albträumen. Als sie für die Winterferien in ihre Heimatstadt Salta zurückkommt, geht es ihr zunächst schlechter. Auch hier weiß niemand, was die Ängste auslöst. Da lernt Lucia in einem Club die bildhübsche Olivia kennen. Zusammen mit ihr hat Lucia plötzlich keine Angst mehr... In ihrem autobiografisch eingefärbten Debütfilm erzählt die junge argentinische Regisseurin und Hauptdarstellerin Cecilia Valenzuela Gioia davon, mit welch überwältigender Furcht die Suche nach der eigenen Identität oft verbunden ist – und wie die erste große Liebe einem den Mut geben kann, zu sich selbst zu stehen. Ein berührend zurückhaltender Film über einen entscheidenden Farbwechsel. Von Natália Wiedmann.
Tom of Finland: Interview mit Dome Karukoski

Tom of Finland: Interview mit Dome Karukoski

Dem Regisseur Dome Karukoski ist das zweifelhafte Kunststück geglückt, die obszöne Schwulenikone Tom of Finland zur Hauptfigur eines großformatigen und – zumindest in Finnland – massenkompatiblen Biopics zu machen. Im Interview mit sissy erzählt er, warum Tom of Finland für ihn eine Art schwuler James Bond ist, was Toms Kunst besonders explosiv macht und was die Finnen heute über einen ihrer bekannten Künstler denken.
Tom of Finland

Tom of Finland

Das heiß ersehnte Biopic über den finnischen Künstler Touko Laaksonen (1920-1991), besser bekannt als Tom of Finland, Meister des hypermaskulinen Comics und Ikone der Schwulenkultur, spaltet seine Zuschauer_innen. Während er in Finnland einen riesigen Hype ausgelöst hat, als Film des Jahres gefeiert und offiziell ins Oscar-Rennen geschickt wird, gibt es in Deutschland, wo der Film seit Donnerstag im Kino zu sehen ist, einiges Unbehagen von Seiten der Filmkritik, insbesondere bei queeren Autor_innen. Für sissy hat sich Peter Rehberg den Film angesehen – ein ausgewiesener Kenner von Tom of Finlands Werk und Autor des preisgekrönten Essays „Happy Homos. Über Tom of Finlands schwule Superhelden“ (2011).
God’s Own Country

God’s Own Country

Im Oktober geht es in der queerfilmnacht in die Berge und Hochmoore Yorkshires, die von Briten wegen ihrer rauen Schönheit auch „God’s Own Country“ genannt werden. Inmitten dieser archaischen Landschaft erzählt Regisseur Francis Lee die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Schafsfarmer Johnny und dem rumänischen Saisonarbeiter Gheorghe derart mitreißend und bildgewaltig, dass der Film seit seiner Weltpremiere in Sundance von der Filmkritik kontinuierlich als „britisches ‚Brokeback Mountain‘“ bezeichnet wird. Für sissy schreibt Matthias Frings, warum „God’s Own Country“ den filmischen Vergleich zu Ang Lees Meilenstein des Queer Cinema nicht zu scheuen braucht und dennoch eine ganz andere, dreckigere und realistischere Perspektive auf seine Figuren und ihre Liebe entwickelt.
Einen Freund zum Geburtstag

Einen Freund zum Geburtstag

Ohne Vorurteile und Besserwisserei bewegt sich Regisseur Stephen Cone mit seinem Ensemblefilm „Einen Freund zum Geburtstag“ in der Welt evangelikaler Bibelgruppen im US-amerikanischen Süden und schlägt aus den ideologischen Verengungen auf der einen und den explodierenden pubertären Bedürfnissen auf der anderen Seite dramatisches und oft auch komisches Potenzial. Ein Film über das Wachsen im Erwachsenwerden. Von Faraz Shariat.
Eine fantastische Frau

Eine fantastische Frau

Spätestens seit seinem berührenden und vielfach preisgekrönten Porträtfilm „Gloria“ (2013) gilt der chilenische Regisseur Sebastián Lelio als Meister des sozialrealistischen Melodrams. In seinem neuen Film erzählt er die Geschichte einer anderen fantastischen Frau aus Santiago de Chile: der Kellnerin und Sängerin Marina, die einst ein Mann war. Als ihr Partner stirbt, muss sie sich gegen perfide Anfeindungen behaupten und darum kämpfen, um ihren Geliebten trauern zu dürfen. „Eine fantastische Frau“ wurde auf der Berlinale uraufgeführt und dort gleich doppelt ausgezeichnet: mit dem Silbernen Bären für das Beste Drehbuch und dem Teddy Award für den Besten Spielfilm. Ab morgen ist Lelios mitreißendes queeres Selbstverteidigungs und –ermächtigungsdrama im Kino zu sehen. Von Barbara Schweizerhof.
Heartland

Heartland

Das Regiedebüt der Filmemacherin Maura Anderson basiert auf den persönlichen Erlebnissen von Drehbuchautorin Velinda Godfrey, die in „Heartland“ selbst die Hauptrolle spielt: Lauren ist eine 26-jährige Künstlerin, die nach dem Tod ihrer Lebensgefährtin mit nichts als ihrer Handtasche und einem Rollkoffer zu ihrer Mutter ins Elternhaus zurückkehrt, ins Herz des ländlichen Amerikas. Ein berührend zurückhaltender Film über die Suche nach Geborgenheit, über alte und neue Familienkonflikte, eine unverhoffte Romanze und das Entdecken neuer Lebensperspektiven. Von Natália Wiedmann.